EISKLETTERN

Berühmt für Felsklettereien, insbesondere an der Gruppe Castello–Provenzale, bietet das Obere Valle Maira auch interessante Möglichkeiten für das Eisklettern. Zahlreiche Wasserfälle, versteckt in den Falten der Seitentäler, bieten Kletterbegeisterten Routen mit unterschiedlichen Anforderungen und Schwierigkeitsgraden.
In diesem Abschnitt stellen wir – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – einige der bedeutendsten Eisfälle vor.

SCHLUCHT VON BASSURA

Lage: kurz unterhalb der Abzweigung nach Elva, auf der orografisch rechten Seite.

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 900
Länge des Wasserfalls (m): 70
Schwierigkeit: TD (II, 4+)
Exposition: N

Ein sehr schöner und ästhetischer Wasserfall, gekennzeichnet durch eine etwa 20 Meter hohe senkrechte Passage und einen delikaten Ausstieg. Die Bedingungen sind leicht von der Straße aus zu beurteilen.

Zustieg: Vom Parkplatz aus den Maira leicht überqueren (10 Min.)

Kletterroute:
L1. Wand mit 75° Neigung (25 m)
L2. Säule/Stalaktit mit 90° Neigung (20 m)

Abstieg: Abseilen an einem Baum, nach links aus der Säule aussteigend

Lage: oberhalb von Ponte Marmora, entlang der Forststraße auf der orografisch rechten Seite.

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 1.150
Länge des Wasserfalls (m): 150
Schwierigkeit: AD+ (II, 3)
Exposition: N

Ein unterhaltsamer Wasserfall, ideal für Anfänger, bestehend aus einer Abfolge von Stufen mit maximal 75° Neigung.
Er beginnt mit einem sehr breiten, flachen Abschnitt, verengt sich dann zu einem Kanal und endet schließlich mit einer in Felsen eingeschnittenen Wand.

Zustieg: Die Schotterstraße 100 m oberhalb des Pont dla Cheino nehmen und ca. 2 km folgen. Nach einem kurzen Abstieg ist der Wasserfall auf der rechten Seite zu finden (20 Min.).

Kletterroute:
L1. Wand mit 75° Neigung (45 m, Stand an Baum auf der linken Seite)
L2. Abfolge von Stufen, max. 75° (50 m, Stand an Baum)
L3. Einfache Rampen als Verbindung (100 m, Stände an Bäumen)
L4. Wand mit 70°, eingeschnitten zwischen Felsen (50 m, Stand an Baum)

Abstieg:
Abseilen an Bäumen, wenn der Wasserfall bei L2 beendet wird.
Andernfalls auf der orografisch linken Seite einen Weg finden.

Lage: an der SP 422, 300 Meter unterhalb der Abzweigung nach Elva (Strada del Vallone).

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 930
Länge des Wasserfalls (m): 50
Schwierigkeit: TD– (I, 4)
Exposition: S

Ein kurzer Eisfall, der direkt zur Straße hin abfließt – daher leicht zugänglich. Charakteristisch ist ein stalaktitenartiger Sprung in der zweiten Seillänge.

Zustieg: Direkt vom Parkplatz an der Staatsstraße, 300 m vor der Abzweigung nach Elva (1 Min.).

Kletterroute:
L1. Vertikale Wand von 8 m (20 m, Stand an Baum)
L2. Stalaktitensprung (30 m, Stand an Baum)

Abstieg:
Abseilen an Baum.

Lage: kurz oberhalb von Ponte Marmora.

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 950
Länge des Wasserfalls (m): 100
Schwierigkeit: TD (II, 4+)
Exposition: S

Wahrscheinlich einer der schönsten Eisfälle im Tal – nicht weit von der Straße entfernt, liegt er in einer abgelegenen Nische des Val Maira, südexponiert.
Er benötigt eine Phase intensiver Kälte, damit die finale Eissäule in guten Bedingungen ist.

Zustieg: Vom Parkplatz 500 m hinter Ponte Marmora durch den Wald aufsteigen, bis man den Einstieg des Wasserfalls erreicht (10 Min.).

Kletterroute:
L1. Angelehnter Sprung bei 75° (40 m, Standplatz auf Eis)
L2. Die zweite Stufe kann links über senkrechte Stalaktiten überwunden werden oder rechts überquert werden, um eine 10 m hohe Kerze mit 90° Neigung zu erreichen (60 m, Stand an Baum)

Abstieg: Nach links queren bis zu einem Gittermast, dann zu Fuß auf Pfadspuren absteigen (30 Min.)

 

Lage: im Vallone di Elva, in Höhe der achten Galerie.

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 1.200
Länge des Wasserfalls (m): 100
Schwierigkeit: TD+ (II, 4+)
Exposition: N

Sehr interessanter Eisfall, bestehend aus einem ersten Abschnitt mit leichten Stufen, der in einen stalaktitenartigen Sprung im oberen Teil übergeht.
Der Eisfall ist gut von der Straße aus sichtbar.

Zustieg: Von der Straße etwa 70 m vom Geländer ins Tal abseilen, den Bach überqueren und zum Einstieg des Wasserfalls aufsteigen. Für den Rückweg gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder an den beim Zustieg fixierten Seilen wieder aufsteigen oder etwa 500 m bachabwärts gehen, bis man auf eine Eisrinne auf der orografisch linken Seite trifft, die zurück zur Straße bei einer Brücke führt. (30 Min., TD, II/4)

Kletterroute:
L1. Angelehnte Wand mit 60° / 75° / 80° (60 m, Standplatz auf Eis)
L2. Stalaktit mit 90°, danach 75° (45 m, Standplatz auf Eis)

Abstieg: Abseilen an Baum nach links aus der Eissäule heraus.

Lage: im Vallone di Elva

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 1.200
Länge des Wasserfalls (m): 200
Schwierigkeit: TD (III, 4)
Exposition: N

Technisch nicht besonders schwieriger Eisfall, der jedoch gute alpinistische Fähigkeiten erfordert, um den 120 m hohen unteren Sockel zu überwinden, an dem das Eis meist dünn und schwer abzusichern ist. Die abschließende Wand ist interessant und macht Spaß zu klettern.

Zustieg: Von der Straße ins Tal absteigen, den Bach überqueren und zum Einstieg des Wasserfalls aufsteigen.

Kletterroute:
L1. Nach Durchstieg der ersten Rinne, nach ca. 20 m den linken Ast nehmen und den darüberliegenden Felsriegel erreichen (50 m, 60°, dann 70°, Stand an stabiler Wurzel)
L2. Kurze Stufe bei 75° und Verschneidungsrinne (55 m, 75°, dann 65°, Stand an eingeklemmtem Block)
L3. Verschneidungsrinne bis zum Fuß der Abschlusswand (40 m, 70°, Stand auf Eis)
L4. Wand (50 m, 80°, Stand auf Eis)
L5. Kurze Stufe, dann Rinne (30 m, 75°, Stand an Baum links)

Abstieg: 5 Abseilstellen an Bäumen auf der orografisch rechten Seite.

Lage: an der Straße von Ponte Marmora nach Canosio/Marmora, unterhalb des ersten Lawinenschutz-Tunnels.

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 1.100
Länge des Wasserfalls (m): 60
Schwierigkeit: TD (I, 4)
Exposition: N–O

Der Eisfall ist durch zwei deutlich getrennte Abschnitte gekennzeichnet, die – wenn vollständig begangen – eine vollständige und recht lange Route ergeben:
Der erste, anspruchsvollere Teil besteht aus einem nahezu senkrechten Sprung mit typischer „Blumenkohl“-Eisbildung.
Der zweite Teil ist eine Goulotte mit einfachen Stufen, die sich über weitere 300 m erstrecken.

Zustieg: Vom Parkplatz kurz vor dem Tunnel, direkt von der Straße aus starten.

Kletterroute:
L1. Leichtes Gelände bis zum Fuß des Hauptsprungs (20 m)
L2. Wand mit 85–90° (40 m, Stand an Baum auf der linken Seite)
L3. Einfache Verbindungspassagen (100 m, Stände an Bäumen)
L4. Wand mit 80° (20 m, Stand an Baum)
L5. Eingeschnittene Goulotte mit 60–70°

Abstieg: Abseilen an Baum, wenn die Route bei L2 endet, andernfalls Abstieg über Hänge auf der orografisch linken Seite.

Lage: auf der orografisch rechten Seite, ca. 200 Meter unterhalb von Maddalena (Prazzo)

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 1.100
Länge des Wasserfalls (m): 50
Schwierigkeit: TD (II, 4)
Exposition: N

Imposanter Eisfall, bestehend aus einem einzigen Sprung, gut sichtbar vom Parkplatz am Ortseingang der Borgata Maddalena.

Zustieg: Das Dorf Maddalena verlassen und den Maira in Richtung der deutlich sichtbaren Eissäule überqueren (10 Min.).

Kletterroute:
L1. Wand zunächst geneigt, dann zunehmende Steilheit mit einem 5 m langen Abschnitt bei 90° (60 m, Stand an Baum auf der linken Seite)

Abstieg: Abseilen an Baum.

Lage: in der Schlucht rechts vom Eisfall von Maddalena

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 1.200
Länge des Wasserfalls (m): 200
Schwierigkeit: D (III, 3)
Exposition: N

Unterhaltsame Goulotte oberhalb des Weilers Maddalena. Anfangs stark eingeschnitten, überwindet sie mehrere Seillängen bei 60–70°, bevor sie sich zu zwei steileren Sprüngen öffnet, die gut von der Straße sichtbar sind.

Zustieg: Vom Parkplatz oberhalb des Orts Maddalena den Maira überqueren und über die Hänge zur gut sichtbaren Eisrinne aufsteigen (15 Min.).

Kletterroute:
L1–L5. Eingeschnittene Goulotte mit Abschnitten bis 70°
L6. Wand mit zwei Sprüngen, Passagen bis 85° (50 m, Stand an Baum)

Abstieg: Vom Ausstieg der Route nach links (orografisch) queren, ca. 200 m, und über einen steilen Kanal auf Pfadspuren hinabsteigen, bis man die Langlaufloipe erreicht.

Lage: oberhalb von Acceglio, auf der orografisch rechten Seite.

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 1.500
Länge des Wasserfalls (m): 250
Schwierigkeit: ED (II, 5 M6)
Exposition: N

Anspruchsvolle Route, gekennzeichnet durch eine finale Eissäule und eine Dry Tooling-Passage, um einen eingeklemmten Block zu überwinden, der die Eislinie unterbricht.
Die Bedingungen der finalen Kerze sollten vom Ort Villar d’Acceglio aus visuell überprüft werden.

Zustieg: Vom Ort Acceglio der Langlaufloipe bergwärts folgen, bis man das Zugangstal zur Route erkennt. Diesem durch Schneehänge bis zum Einstieg folgen (1 Std. 30 Min.).

Kletterroute:
L1. Einstiegsrampe bei 60°, dann Schneehang mit 45° bis zum markanten eingeklemmten Block (80 m, Stände an Baum und Eis)
L2. Block rechts umgehen mit Dry Tooling-Bewegungen (8 m, M6), dann weiter über Schneehang (150 m, 45°)
L3. Stalaktiten-Sprung von 20 m, dann über geneigtes Gelände zur linken Standposition (90°, 50 m)

Abstieg: Diagonal ansteigend queren, bis man eine Felsbarriere erreicht, die mit einem eingerichteten Abseiler an einem Baum überwunden wird. Danach einfacher Abstieg bis zur Langlaufloipe.

Lage: an der Militärstraße, kurz unterhalb von Chialvetta (im Winter gesperrt)

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 1.400
Länge des Wasserfalls (m): 70
Schwierigkeit: TD (II, 4)
Exposition: N

Unterhaltsamer Eisfall, bestehend aus einem ersten Sprung von ca. 70 m, gefolgt von kurzen Stufen bis zum Ende der Schwierigkeiten.

Zustieg: Vom Parkplatz oberhalb des Ortes Chialvetta durch den Wald aufsteigen in Richtung der gut sichtbaren Eisrinne (10 Min.)

Kletterroute:
L1. Einstiegswand bis zum Fuß des Hauptsprungs, max. 75° (20 m, Stand auf Eis)
L2. Eissäule mit 85° (30 m, Stand an Baum auf der linken Seite)
L3–L6. Einfache Rampen mit max. 75° Neigung (100 m, Stände an Bäumen)

Abstieg: Abseilen an Baum, wenn die Tour bei L2 beendet wird; andernfalls Abstieg über steile Hänge auf der orografisch rechten Seite.

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 1.800
Länge des Wasserfalls (m): 1.200
Schwierigkeit: TD (IV, 4 M5)
Exposition: NO

Sehr lange Route mit schwieriger Eisbildung, wechselt zwischen gefrorenen Rinnen, Mixed-Passagen und verschneiten Kanälen. Es ist unbedingt der hohe Lawinenrisiko durch die darüberliegenden Hänge zu beachten.

Zustieg: Vom Campo Base dem Pfad in Richtung der Stroppia-Wasserfälle folgen. Kurz vor den Felsriegeln der Wasserfälle nach links abbiegen in Richtung eines markanten Felsturms, an dessen Fuß der Couloir beginnt (30 Min.).

Kletterroute:
L1. Eingeschnittene Wand (80–90°, 40 m)
L2. Kegel bei 45°, dann senkrechter Sprung (90°, 25 m)
L3. Kurzer vertikaler Sprung (85°, 15 m), anschließend Schneekanal (200 m)
L4–L5. Goulotte (70°, 100 m)
Nach einer weiteren senkrechten Wand steigt man rechts über einen felsigen Grat mit Passagen im IV–V. Grad, danach über einen Hang mit 45° bis zum Gipfel.

Abstieg: Vom Gipfel über den Sommer-Normalweg der Rocca Bianca absteigen bis zur Rifugio Stroppia und von dort zurück zum Campo Base.

Einstiegshöhe des Wasserfalls (m): 2.100
Länge des Couloirs (m): 500
Schwierigkeit: D (III, 3)
Exposition: O

Sehr lange Route mit schwieriger Eisbildung in spektakulärer Umgebung mit großartigem Blick auf die Gruppe Castello–Provenzale.
Die Linie wechselt zwischen vereisten Abschnitten, Mixed-Passagen und Schneekanälen. Besondere Vorsicht ist bei der teilweise heiklen Abfahrt und dem hohen Lawinenrisiko durch die oberen Hänge geboten.

Zustieg:
Vom Campo Base aufsteigen in Richtung Colle del Maurin. Kurz vor den Grange Collet nach links abbiegen in Richtung Monte Cerello und den Eiskegel bis zum Einstieg des Couloirs hinaufsteigen (1 Std. 30 Min. ab Campo Base).

Kletterroute:
Einstieg durch einen 200 m langen Kanal mit 50°, unterbrochen von kurzen Eisstufen. Danach folgt eine max. 70° steile Wand (50 m). Der letzte Teil besteht aus einem 250 m langen Kanal mit 40° bis zum Colle.
Von dort dem Grat zur Spitze folgen (Mixed, stellenweise brüchiger Fels).

Abstieg:
Vom Colletto führen zwei Abfahrtsrinnen hinunter. Die rechte (mit geringerer Neigung) wählen, die zu einem weiten Hochplateau führt. Von hier aus links halten bis zum Rand des Plateaus mit Blick auf das Val Maira (in die entgegengesetzte Richtung gelangt man ins Tal Richtung Chambeyron und zum Bivacco Barenghi).
Ab hier beginnt der heikelste Abschnitt: in leichter Querung nach rechts absteigen, dabei die Felsplatten oberhalb des Rifugio Stroppia meiden.
Vom Rifugio weiter über den Dino-Icardi-Weg zum Campo Base absteigen. Der erste Abschnitt unterhalb der Hütte kann aufgrund von Schnee und Eis technisch anspruchsvoll und ausgesetzt sein.

 

Bergsportarten sind potenziell gefährliche Aktivitäten und sollten nur mit der richtigen Ausrüstung und Vorbereitung unternommen werden. Wir empfehlen, vor einer Tour den Wetter- und Lawinenbericht zu prüfen und/oder sich für eine Begleitung an einen Guide zu wenden. Campo Base S.r.l. übernimmt keine Verantwortung für die hier gegebenen Ratschläge und Routen, die individuell in Abhängigkeit von den Wetter- und Schneeverhältnissen bewertet werden müssen.

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